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Friday, June 17, 2011

Eine Definition des Problems

Man muss entsetzt sein, dass man seitens der EU-Eliten noch nicht einmal das Problem korrekt definiert hat. Es immer von „Schulden“ gesprochen und es werden sogar unterschiedliche Beträge erwähnt.

Unter „Statistics → External Sector“ →Basis Items" der Bank of Greece findet man 2 Exceldateien über die Auslandsverschuldung und die Zahlungsbilanz der letzten 10 Jahre. Da kann man in kürzester Zeit erkennen, worum es in Griechenland geht. Und die Griechen sind nicht bekannt dafür, dass sie ihre Ziffern schlechter darstellen, als sie sind.

Der Nettomittelzufluss in die griechische Volkswirtschaft betrug seit dem Euro rund 30 Mrd. EUR jährlich (!). Wenn so viel Geld in eine Volkswirtschaft von der Größe Griechenlands fließt, dann gibt es 2 mögliche Konsequenzen: (a) einen Boom mit der Perspektive auf ein Goldenes Zeitalter; oder (b) einen Boom, der von einem Bust gefolgt wird, wenn das Geld nicht mehr fließt. Alles hängt von der Mittelverwendung ab.

Der billig verfügbare Euro war eine Droge für die Griechen. Jetzt ist die Droge verbraucht und man erlebt den unheimlich schmerzhaften Drogenentzug. Wenn ein Arbeitsloser einen Lotto-Sechser macht, dann kann er möglicherweise 10 Jahre lang sehr gut leben (wenn er alles für den Konsum ausgibt). Wenn das Geld zu Ende ist, dann muss er wieder auf seinen Lebensstandard von vor 10 Jahren zurückkehren. Die traurige Wahrheit ist, dass den Griechen – so oder so – jetzt das gleiche Schicksal blüht. Und das sollte man einmal deutlich aussprechen und sich dann überlegen, wie man beim Drogenentzug helfen kann!

Die Griechen haben so viele positive Eigenschaften und natürlich auch sehr viele andere. Leider haben die Griechen ein Hang, die Wirklichkeit zu negieren und wenn sie hin und wieder auf die Wirklichkeit treffen, dann transportieren sie sich in eine Opferrolle. Wenn das jetzt geschieht, dann ist m. E. zu befürchten, dass die Bürger intuitiv den Social Contract kündigen und dass der soziale Friede auseinander bricht. Die griechische Gesellschaft ist unheimlich gespalten. Es gibt einerseits die (wenigeren) smarten und korrupten Geschäftemacher, die seit dem Euro unglaubliche Vermögen aufgebaut haben. Und dann gibt es die anderen (m. E. die Mehrheit), die gut meinend fleißig arbeiten und vielleicht auch etwas einfältig sind (dafür aber ungeahnt herzlich!). Man erinnere sich an den guten Ruf, den griechische Gastarbeiter in Deutschland und Österreich genießen durften.

Zwischen diesen beiden Gesellschaftsgruppen hat in den letzten 10 Jahren ein Vermögenstransfer gigantischen Ausmaßes stattgefunden (vergleichbar mit „Wall Street“ gegen „Main Street“). Die Werteskala wurde auf den Kopf gestellt: die „Korrupten“ wurden die Sieger und die „Korrekten“ die Dummen. Das ist ein potentielles Pulverfass und auch darüber sollten sich die EU-Eliten Gedanken machen, statt immer nur von Prozentsätzen der Staatsverschuldung zu reden.


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